4 October 2010 - 16:22Budge
Seit einem guten Monat lebe ich jetzt in Budge. Die ersten beiden Wochen war ich bei einer 10-köpfigen Familie untergebracht. In „meiner“ Wohnung gab es leider noch kein fließendes Wasser, da die Pumpe kaputt war.
Nach zwei Wochen habe ich darauf bestanden umzuziehen und erst mal Wasser mit Eimern in meine Wohnung zu tragen. Dann ging alles plötzlich ganz schnell! Die Wohnung ist groß, hell und gehört zu einer kleinen Kirche, deren Vorbau meine Terrasse ist. Direkt gegenüber von meiner Wohnung liegt eine Art Recyclinghof. Der Ausblick zur Straße ist abwechslungsreich, da die Cartoneres mit ihren Handkarren, Fahrradanhängern und Pferdewagen anstehen um ihre gesammelten Müll abzugeben.
Arbeit
Zwei bis dreimal helfe ich in der Woche in einer Station der Caritas. Hier wird einmal in der Woche Secondhand-Kleidung für Kinder verteilt. Ich bessere Kleidung aus und nähe Patchworkdecken.
An zwei Tagen bin ich im Slum, auch eine Station der Caritas, um mit Kindern zu malen und zu basteln.
Kristina, eine 25 jährige Mutter mit fünf Kindern besuche ich regelmäßig und versorge sie mit dem Nötigsten. Eigentlich geht es darum den Menschen in die Selbständigkeit zu helfen und nicht nur Windeln und Lebensmittel zu besorge, aber da fühle ich mich überfordert. Weder meine Sprachkenntnisse noch der Einblick in hiesigen Umstände und Möglichkeiten sind ausreichend dafür. Mein ausdrücklicher Wunsch war es auch, in diesem Jahr handwerklich zu arbeiten.
Mein Wunschtraum: ein sauberer Slum!
Für den vielen Plastikmüll gibt es Geld. Also: Leute finden, die Handwagen bauen, Müll einsammeln und wegbringen. Abfallbehältnisse aufstellen und eine regelmäßige „Müllabfuhr“ einrichten…..
Eindrücke
An den Bushaltestellen steht man in einer ordentlichen Reihe an.
In vielen Läden muss man eine Nummer ziehen und warten bis man aufgerufen wird.
Der Fernseher läuft immer, auch beim Tischgebet. Auch in der noch so kleinsten Hütte steht einer. (Kristina hat einen Fernseher aber keinen Kühlschrank)
Es gibt viele Kinder aber noch mehr Hunde, die vor allem nachts bellen.
An bestimmten Ecken sammelt sich besonders viel Müll an, der dann irgendwann qualmend und stinkend verbrannt wird.
Die „subte“ (U-Bahn) fährt im Linksverkehr.
Sonntags wird das Auto gewaschen und die Musikanlage ins Fenster oder vor das Haus gestellt und maximal aufgedreht. Hip Hop, Salsa und Volksmusik konkurrieren dann.
Mann baut nach Lust und Laune und überlegt nachträglich wo die Fenster eingerissen werden.
Den Slum habe ich mir anders vorgestellt. Auch hier klafft arm und gut versorgt (reich wäre übertrieben) auseinander. Wellblechhütten neben Müll wechseln sich mit Neubauten aus Stein mit Garten ab.
In Budge gibt es Hütten, die genauso aussehen, wie im Slum.
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