Ein Fussballspiel in Buenos Aires erleben, Kaffee trinken im “Tortoni” und einmal mit Oswaldo tanzen stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.
Victoria und Henrik, die gerade ihr freies Jahr mit einer Reise durch Lateinamerika begonnen hatten, wollten auch unbedingt ins Fussballstadion. Das Erlebnis begann schon mit dem Kauf der Karten. Eine verlässliche Information wo und wann man Karten kaufen kann, gab es nicht. So fuhren wir am Vortag nach Boca und hofften in einem Laden für Fanartikel Karten im Vorverkauf zu bekommen. Es gab keine und nur die wage Auskunft: Vielleicht morgen ab 1, wenn noch Karten übrig sind. Wir gaben uns mit der Auskunft nicht zufrieden und gingen zum Stadionmuseum. Auch dort war nichts zu erfahren.
Vor dem Museum warteten dann die ersten Schwarzkartenverkäufe.200 Pesos (ca.40 Euro) für eine war uns zu teuer. Auf dem Weg zum Stadioneingang holte uns dann Miguel mit seinem Fahrrad ein. Er hatte die Unterhaltung mitbekommen und bot uns drei Karten für 500 Pesos an. Die Straße vor dem Museum gehörte nicht zu seinem Revier. Nach einigem Hin und Her gingen wir auf sein Angebot ein. Wir mussten noch Geld abheben und verabredeten und in 15 an der gleichen Stelle. Auf dem Weg zum Automaten wurden uns noch diverse Angebote gemacht, allerdings nie unter 250 Pesos pro Karte. Wir kehrten zurück mit der Überzeugung ein absolutes Schnäppchen erwischt zu haben.

Victoria war bis zum letzten Augenblick skeptisch, ob die Karten auch echt waren.
Alle Porteños warnten uns und meinten, wir sollten nur mit einem Einheimischen zum Spiel gehen.
Ich hatte leider erfolglos versucht einen meiner Freund zu begeistern.
Am nächsten Tag brachen wir frühzeitig zum Stadion auf und mussten mindesten drei Kontrollen über uns ergehen lassen.

Das Spiel war mäßig aber die Stimmung unbeschreiblich gut. Wenn die Gegner ein Tor schossen, wurde die Heimmannschaft um so mehr angefeuert. Nach dem Spiel verwunderte mich die Geduld der Besucher. Unser Block wurde als letzter geöffnet. Alle warteten und beim Verlassen des Stadions gab es kein Gedrängel.
Ich frage mich, warum einem hier oft Angst gemacht wird und Situationen als gefährlich beschrieben werden. Vielleicht ist das auch eine Form der Gastfreundschaft sich um die Ausländer zu sorgen.